Bericht: Sziget Festival 2016 (Budapest)

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Montag: Nun sind wir also endlich angekommen. Mit typisch ungarischen Sommertemperaturen, die einen auch ohne Gepäck zum schwitzen gebracht hätten, wird also das Gepäck zu einem vermeintlich guten Plätzchen geschleppt, das Zelt aufgebaut und die Gegend erkundet. Da an und auf den Bühnen logischerweise noch nicht allzu viel los ist, guckt man sich erstmal die Fress- und Getränkebuden sowie die sonstigen Stände an. Dabei versucht man schon mal ein wenig in den Kopf zu bekommen, wo die ganzen Sachen, die man gesehen hat, liegen. Orientierung ist bei der Fülle an Input vorerst ein wenig schwer und man traut sich noch nicht allzu weit vom Zelt weg, aus Angst, die Nacht ansonsten durchzumachen oder im Freien schlafen zu müssen. Auf den ersten Blick ist die Auswahl an Speisen und Getränken beachtlich (wenn auch nicht gerade vegetarier- oder vegangeeignet, was man ja seit den letzten Jahren auf Deutschen Festivals eigentlich schon gewohnt ist). Auch ein ALDI, der das meiste zu (aus Deutscher Sicht) Schnäppchenpreisen anbietet, ist vertreten. Frisch gebackene Brezel für 99 Forint, sprich ca. 32 Cent? Hier kein Problem, gerne. Nettes Extra: Zu fast jedem Einkauf gibt es noch einen Schokoriegel dazu. Auch alles andere ist im Durchschnitt, logisch, günstiger als bei uns. Bier etwa. 0,4l Becher = 650 Forint = knapp über 2 Euro.
Wie sich gegen Abend schnell herausstellt, ist unser Zeltplatz dieses Jahr allerdings nicht ideal gewählt, das Camp befindet sich nämlich direkt gegenüber des Partyzelts und in Hörweite der Hauptbühne (welche mit durchaus lauter Musik aufwartet, wie es sich für eine Hauptbühne ja nun eigentlich auch gehört). Mit ruhigem Schlaf in den Abendstunden wird es dieses Jahr also leider nichts. Wenigstens sind hier genug schattenspendende Bäume vorhanden, was aber im Laufe der nächsten Tage wenig bringen soll, da auch der ungarische Hochsommer einige Schauer und kaltes Wetter mit sich bringen kann; sprich: Regen und kalte Windböen am Mittwoch Nachmittag bis zum Abend. Doch dazu kommen wir am Mittwoch.
Der Dienstag gestaltet sich ähnlich dem Montag, bis auf das Gepäck schleppen und Zelt aufbauen natürlich. Außerdem ist es nun auch mal drin, sich ein wenig weiter über die Insel zu trauen, die Wege um einen herum haben sich nun langsam schon ins Hirn gebrannt. Von den nächstgelegenen Dixis, ALDI oder den süßen kleinen Häuschen mit handgemachten Kleinigkeiten findet man mittlerweile sicher zum Zelt.
Mittwoch Vormittag steht ganz im Zeichen der Presse, sprich: Zum Pressezelt & alles Wichtige klären. Darum bleibt bis zum Nachmittag nicht viel Zeit für anderes Programm. Doch schon in der Zeit wird klar, dass der heutige Tag nicht so sonnig und gemütlich werden wird wie die letzten Tage. Damit zurück zum Regen: Wegen ihm verbringt man „Die Antwoord“ und „The Chemical Brothers“ vor der Hauptbühne doch lieber unter dem Regencape und in festem Schuhwerk. Vor allem letzteres ist auch nach dem Regen noch sinnvoll. Da das Wasser auch zwischen den letzten Blättern hindurchgekommen ist, sind alle nicht befestigten Pfade und Wege, von denen auf dieser Insel nun mal reichlich existieren, nur noch Matsch (der ja aber mittlerweile auch eigentlich auf keinem mehr oder weniger guten Festival fehlen darf). Darum machen weitere Aktivitäten auch nicht mehr ganz so viel Spaß, also zurück zum Zelt, checken, ob noch alles wenigstens halbwegs trocken ist, umziehen, nasse Schuhe aus… Und da blieb die Lust dann auch mit ebendiesen vor dem Zelt – Gute Nacht.
Es war kalt. Trotz Pullover und dickem Schlafsack dauerte es lange, einzuschlafen. Aber da ist dann auch schon wieder der Donnerstag. Geweckt wurde man nicht wie auf so vielen anderen Festivals aufgrund von unerträglicher Hitze durch die Sonne, die einem auf das Zelt knallt. Wie denn auch? Da sind ja genug Bäume um uns herum. Wie schön, mögen sich die meisten denken. Welch Luxus, auf eine Festival ausschlafen zu können. Haha, nix da. Denn um 9.30 Uhr beginnt der erste Soundcheck auf der Main Stage. Und die hört man bei uns ja bekanntlich nicht zu knapp. Laute „Ohs“ und „Ahs“, „Checkchecks“ sowie „Onetwo-Onetwos“ klingen durch den recht still gewordenen Morgen. Da hält es viele nicht lange im Zelt, überall beginnt wieder Musik zu laufen. Aus jeglichen Richtungen ist die Lautstärke beachtlich. Stören tut es, wenn man dann mal fertig angezogen ist, aber eigentlich nur wenig: Man ist ziemlich schnell wach. Denn im Hinterkopf sammeln sich schon die ganzen Sachen, die man noch machen will. Und obwohl das fast unmöglich scheint und man sich schon Gedanken macht, was man auch getrost auf das nächste Jahr verschieben kann, entstehen schon genaue Zeitpläne. Wäre es nicht doch möglich, alles in diesem Jahr zu schaffen? Naja, Challenge accepted! Also auf!
Yoga wollte man jeden morgen machen. Ach, morgen ist auch noch ein Tag. Da gehen wir dann lieber zum Strand, mal schauen, wie es sich dort entspannen lässt. Das klappt dann auch ganz gut, wie immer schön unter Bäumen sitzen und ein wenig Musik genießen. Der eigentliche Badestrand ist allerdings gesperrt, da der Fluß aufgrund des gestrigen Regens hoch ist und es zu gefährlich wäre, einfach darin baden zu gehen.szigetfestival2016-6137
Der nächste Plan führt uns auf die Suche nach NGO Island. Unterwegs kommen wir an der Main Stage vorbei, wo gerade Jake Bugg spielt. Die Musik ist gut, wie auch woanders kommt man halt einfach mal an Bühnen vorbei, wo gerade gute Musik läuft, die man nicht auf dem Schirm hatte. Nach kurzem Verweilen geht es doch weiter auf die Suche nach NGO Island. Dort gibt es viele verschiedene Zelt, die über diverse Dinge informieren, durch Spiele oder andere interessante Veranstaltungen. Doch der Plan scheitert; die Ausschilderungen führen uns nicht dorthin, sondern wir landen irgendwo anders und geben die Suche schließlich auf. Wir machen uns auf den Weg zur Clapping-Stick-Party.clappingstickparty-szigetfestival2016-6176 Wir schmeißen uns ins Getümmel, um wie alle an die heiß begehrten aufblasbaren Röhren zu kommen, die durch heftiges Aufeinanderhauen laute Geräusche von sich geben. Geschafft, darauf warten, dass die Party losgeht. Auf einem Turm steht ein lustiger Mensch, der die 10 Minuten bis um 19 Uhr aufheizt. Um Punkt 19 Uhr dann ist es so weit: Alle Sticks in die Luft und Krachkrachkrach! Und schön sieht’s auch noch aus.
Im Anschluss gibt’s dann auf der Hauptbühne Musik von Parov Stelar, Österreichischer DJ, der aber im Gegensatz zu vielen anderen unglaublich viele Livemusiker sowie eine Sängerin mit sich auf der Bühne hat. Auch mal schön.
Rihanna – Erstmal ’ne halbe Stunde Verspätung. schien eine Mischung aus Playback und nicht all zu gutem Gesang zu sein. Anfangs die Lippen unsynchron zur Musik bewegt, später mit merkbar tieferer stimme ein paar Wörter ins Mikro zum Besten gegeben. Bei allen Passagen, die etwas mehr in die Höhen gehen, wird das Mikro schnell zum Publikum gehalten. In der Masse fallen falsche Töne ja bekanntlich weniger auf. Bewegen kann sich die Frau, die Show an sich ist gut, auch wenn Rihanna ein wenig lustlos wirkt. Aber wer als Sängerin und Headliner auf einem Festival dieser Größe gebucht wurde, sollte vielleicht doch noch mehr Wert auf das Singen legen. Es ist wirklich schwer, bis zum Ende durchzuhalten.
Für die Nacht war noch die Überlegung, zu Travis Scott oder noch spätr zu Afrojack zu gehen, aber Rihanna hat einem den Spaß und die Energie genommen. Bettzeit.szigetfestival2016-6983
Am Freitag geht’s zuerst ins Afro-Latin-Dance-Village. Dieses Dörfchen lockt mit zahlreichen Dance- und Yoga-Workshops. African Drum & Dance, Ägyptischer Bauchtanz, Samba oder auch Salsa finden dort als Kurse jeden Tag statt. Für Yoga nur leider schon wieder zu spät dran. Schade. Haha.
Zwischen den Bäumen im Village hängen auch für gewöhnlich permanent Slacklines. Jeder darf mal, niemand muss, Zuschauen macht auch immer Spaß. Man freut sich für und staunt über die, die es scheinbar perfekt beherrschen, Akrobatik auf einem Seil zum Besten zu geben. Doch die Anfänger lassen sich davon nicht abhalten, das Ganze einmal selbst zu probieren. Und auch hier ist es schön, zuzugucken und zu sehen, wie ebendiese Leute sich immer ein wenig länger auf der Line halten.
Auch für Musik ist gesorgt. Eine Bühne steht auch dort, auf der jegliche Klänge zu hören sind, die man sich für ein solches Dörfchen eben vorstellt.
Wir beschließen, der Sports Area einen Besuch abzustatten, dort kann man wohl ziemlich viele, zum Teil auch eher außergewöhnliche Sportarten betreiben („normale“ natürlich auch). Das Erste, was wir zu sehen bekommen, ist auch direkt sehr spaßig: Einer sitzt über einem Wassertank auf einem Brett, ein weiterer wirft mit einem Ball auf eine Zielscheibe, um damit einen Mechanismus auszulösen und somit die auf dem Brett befindliche Person in den Wassertank fallen zu lassen.
Des Weiteren gibt es noch Tischfußball, Fußball, Badminton, Basketball, Tischtennis und verschiedene Arten zu Klettern. Nachdem wir ein wenig die sportlichen Leistungen bestaunt haben, machen wir uns weiter auf. Wohin, wissen wir noch nicht. Einfach ein bisschen rumlaufen. Und dann, DIE Überraschung: NGO Island! Ohne es zu bemerken, waren wir sogar schon einmal dran vorbeigekommen. Leider haben wir in diesem Moment keine Zeit, die ganzen einzelnen kleinen Zelt zu begutachten, da wir am Colloseum verabredet sind. Denn auch BlaBlaCar bietet einen Stand, und wir haben uns spontan dazu entschlossen, dass wir auch jemanden mit zurück nach NRW nehmen könnten. Und das muss ja geklärt werden. Da Internet außerhalb des Presse- oder VIP-Bereichs zwar zugänglich, aber immer nur an bestimmten Stellen empfänglich ist, fanden wir ein direktes persönliches Treffen einfacher. Und wo wir schon mal am Colloseum sind: Direkt daneben befindet sich die Artzone. Malen, zeichnen, basteln, gestalten, werkeln – Das alles kann man hier, wie sonst auch, an verschiedenen Zelten machen, falls man Lust darauf hat.
Auf dem Weg zur Telekom VOLT Festival Stage kommen wir an Rossmann vorbei. Dort kann man sich, was auch sonst, Drogerieartikel kaufen. Außerdem schmeißen Mädels in knappen Höschen direkt daneben eine zum Laden gehörige Schaumparty.
An der Bühne angekommen. Baron Mantis spielen, die Gewinnerband des Talentométer-Wettbewerbs in der Kategorie Pop-Rock. Zu Recht gewonnen, meinen wir, denn die Band ist wirklich gut. Sie kommt definitiv mit auf die Liste von „Bands, die ich vorher noch nicht kannte, zu Hause aber mal intensiver begutachten werde“. Und in dieser Liste werden sie nicht die Einzigen bleiben. Denn mit dabei: Die Überraschung des Festivals soweit – die Ungarische Band „Cloud 9+“, cloud9-szigetfestival2016-6702welche einen Crossover aus Metal, Richtung „Linkin Park“, jedoch mit etwas mehr Dubstep- und Electro-Elementen spielt. Anständige Rocksongs wechseln sich hier mit längeren Electro-Passagen oder auch ganzen elektronischen Stücken ab. Darunter sind zwar viele Cover, was das Vergnügen aber nicht mindert, wenn man ein paar Songs auch mal mitsingen kann (Wer kann denn schon bei den berühmten Beats von Scooters „Maria“ oder „Backstreet’s Back“ von den Backstreet Boys leise sein und hat nicht das Bedürfnis, sofort mtzugröhlen?) Der Stil ist also nur schwer einzuordnen, aber es ist doch immer wieder schön, mal etwas außerhalb der Norm zu hören.
Anschließend geht es zur Flag Party. Wie jede Themenparty in dieser Woche findet auch die Party mit Flaggen vor der Main Stage statt. Es werden Flaggen in diversen Farben mit dem Sziget-Logo darauf verteilt. Außerdem sind alle im Vorfeld schon dazu animiert worden, auch ihre eigenen Flaggen, beispielsweise Landesflaggen, mitzubringen. So sieht man also neben den vom Festival verteilten und den typischen Staatenflaggen auch Regenbogenflaggen und eine extrem große Flagge mit einem aufgedruckten Hanfblatt. Der Rest ist wie bei der Clapping Sticks-Parflagparty-szigetfestival2016-6746ty: Es wir runtergezählt, die „Hymne“ des Festivals wird gespielt, alle schwenken ihre Flaggen und haben sich lieb.
So, Flaggen wieder wegpacken und auf zu K.I.Z., wenigstens ein paar Fotos machen, auch, wenn man sich die Band nicht komplett anhört. Erstaunlich, dass die Band auf der A38-Bühne spielt, die Bühne ist doch recht groß und wir haben nicht damit gerechnet, dass die Band so einen Ansturm an Publikum haben würde. Aber doch, ja, das Zelt ist gut voll und die Leute da, die haben da einfach Bock drauf.
Wir aber machen uns lieber auf zu I Ministri, eine Italienische Rockband, die gut Stimmung auf der Europe Stage macht. In Italien scheinen die Jungs schon bekannter zu sein, da viele Leute im Publikum die Texte gut mitsingen können. Bei uns kommt sie auf die „Anhören“-Liste.
Von dort aus geht es wieder zurück zur Main Stage. Manu Chao wollen einige sehen, es ist voll, die Sonne noch ein wenig da und die Stimmung entspannt. Wir setzen uns unter einen Baum, wie so viele andere, und lauschen von dort der Musik. Bis zum Ende halten wir es allerdings nicht aus, die Musik wird uns auf Dauer, ehrlich gesagt, zu eintönig.
Wir laufen noch ein wenig durch die Gegend, dann gehen wir schlafen. Doch heute ist eine besondere Nacht: Zusätzlich zum Partyzelt gibt’s nebenan noch lange und ausgiebige Afrikanisch angehauchte Trommelklänge. Aus der andere Richtung werden wir dann auch noch von unbekannter Rockmusik beschlallt. Und um das ganze zu toppen: Kreischen und Schreie vom Freefall-Tower morgens um 1 Uhr. Aber auch diesmal gelingt es dann doch irgendwie auf unerklärliche Weise einzuschlafen.
Samstag morgen. Frühstück. ALDI. Beim täglichen Brezelkauf stellen wir uns wieder einmal die Frage, warum man bei ALDI hier Grillsachen (Fleisch, Grillkäse…) kaufen kann. Und das, obwohl doch auf der gesamten Insel offenes Feuer, grillen, ja sogar Gaskocher verboten sind. Doch heute klärt es sich: Direkt neben dem Supermarkt und wohl auch noch an der ein oder anderen weiteren Stelle kann man sich vom ALDI-Personal seine dort gekauften Sachen grillen lassen. Yummy. Wollen wir eigentlich auch gern mal ausprobieren, aber heute nicht, denn wir haben uns schon wieder viel für den Tag vorgenommen. Erster Stop ist heute nach dem Frühstück das Pressezelt. Kurz Handy laden, Mails checken, dann geht’s weiter. Wir müssen heute noch ein wenig Geld wechseln, da wir leider im Vorfeld nicht genug eingetauscht haben. Auf der Insel selbst gibt es zwei Stelle, an denen man dies tun kann. Natürlich, wie wir schon vermutet haben, zu einem deutlich schlechteren Kurs als zum Beispiel in der Innenstadt von Budapest. Aber bringt ja alles nichts, wir brauchen eben Forint. Mit dem „neu eerworbenen Geld“ gehen wir dann unsere FestiPay-Karte aufladen. Diese sollte man sich möglichst früh zulegen, denn die Stände, an denen man Geld auf dies Karte einzahlen muss, sind meist die ganze Zeit ziemlich überfüllt und man muss lange anstehen. Allerdings bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, denn die FestiPay-Card ist das einzige Zahlungsmittel auf der Insel. Egal, ob Bier, ALDI oder einer der kleinen Handwerkerstände: Alle akzeptieren nur FestiPay.
Und dann schaffen wir auch endlich mal, das zu tun, was wir uns wirklich schon die ganzen Tage vorgenommen haben: NGO Island! Dort steht eine riesige Menge an Zelten, alle von verschiedenen Organisation wie zum Beispiel Amnesty International. Eine weitere Gruppe klärt etwa über Atomkraft auf. Den längsten Halt machen wir dort wohl bei WWOOF. Diese Organisation bringt jungen Menschen das Landleben in den unterschiedlichsten Ländern der Welt näher. Ein sehr netter Mann erklärt uns, dass man über WWOOF durch verschiedene Teile der Welt reisen und dort auf Farmen arbeiten kann. Dafür bekommt man Unterkunft und Verpflegung, macht Auflüge mit den Farmern und bekommt so Land und Leute auch einmal außerhalb der typischen Touristenrouten zu Gesicht.
Ganz am Ende der Zelt-Straße kann man sogar gratis einen HIV-Test machen lassen.
Danach setzen wir uns wieder unter einen unserer Lieblingsbäume vor der Main Stage und hören uns ungefähr die zweite Häfte von Quimby an, eine Ungarische Rockband, die hierzulande sehr bekannt zu sein scheint. Es ist voll, viele singen mit. Was verständlich ist, denn die Jungs sind gut in dem, was sie tun.
Direkt danach treten Bring Me The Horizon auf der Main Stage auf. Zu Beginn lässt die Band einen kleinen Film zur Vorbereitung auf die Show laufen. Es wird gezeigt, was bei dem Gig gewünscht ist und was man nach Möglichkeit besser unterlassen sollte. So wir etwa darum gebeten, das Gelände zu verlassen, falls man vorhat, sich während des Konzertes in die Luft zu sprengen. Zum Teil etwas makaber, zugegeben, aber Alles in Allem ganz lustig gemacht. Der Auftritt der Band ist gut, aber nichts Besonderes. Man hat die Jungs, vor allem Mr. Sykes, schon mal besser gesehen. Trotzdem sind sie gut, daslässt sich nicht abstreiten. Und auch das Publikum hatte sichtlich Lust auf die Musik.colour-party-szigetfestival2016-7039 colour-party-szigetfestival2016-7066
Im Anschluss: Themenparty an der Hauptbühne. Heute: Colorparty. Alle, die möchten, besorgen sich ein Beutelchen mit Farbpulver (rot, grün, gelb, blau, violett…). 10-Minuten-Countdown, die letzten 20 Sekunden runtergezählt und ab in die Luft mit den Pülverchen. Im ersten Moment ist es wunderschön, diese ganzen Farben, die in die Luft schießen und sich im Wind verteilen. Doch schon ein paar Sekunden später haben sich alle Farben in der Luft vermischt und es sieht aus, als würde eine riesige, dreckige Staubwolke über die Insel ziehen. Einige Leute rennen kreischend weg, weil sie keine Farbe abbekommen wollen, andere kommen hustend oder mit tränenden Augen aus der Menge heraus. Nachdem sich die große „Staubwolke“ gelegt hat, versuchen auch schon die ersten, die Farbe von ihrer Kleidung und aus ihren Haaren abzuklopfen oder abzuschütteln. Doch das gestaltet sich als schwierig, die Farbe will nicht auf Anhieb von allem weichen, auf das sie sich gelegt hat. So sieht man auch noch am Abend ziemlich viele bunte Menschen.szigetfestival2016-6225
Im Anschluss laufen wir, mal wieder, ein wenig durch die Gegend, gucken hier, gucken da. Für 21.45 Uhr steht ein Interview mit Breathe Carolina an. Danach bleibt bis zum Auftritt der Jungs noch etwas Zeit, also schauen wir uns auf der Budapest Park Tribute Stage noch die Good Time Boys, eine Red Hot Chili Peppers-Coverband an. Das Publikum tanzt goodtimeboys-szigetfestival2016-7175und feiert, als würde das Original vor ihnen stehen. Leider schauen wir nicht bis zum Ende, da wir uns eben auf den Weg zur Telekom Arena machen müssen. Breathe Carolina, ehemals eher im rockbereich anzutreffen, haben nämich mittlerweile komplett auf reine Electromusik umgepolt und passen darum jetzt ganz gut in die Telekom Arena,wo täglich vom frühen Abend bis in die frühen Morgenstunden Electro und House zu hören ist. Auch beispielsweise Afrojack hat davor schon aufgelegt, Djs wie Zedd und Fedde Le Grande werden in den nächsten Tagen noch folgen. Menschen, die kein House hören oder generell eher eine Abneigung gegen elektronische Musik haben, wollten diese Location also wenn möglich bloß vermeiden. Wir haben uns allerdings ein wenig was getraut und bei Breathe Carolina auch mal getanzt. Bei der Massen an Menschen, die um uns herumhüpfen und den drei Jungs, die echt Stimmung machen, ist es auch extrem schwer, ruhig stehen zu bleiben. Das hat uns müde gemacht; eigentlich wollen schlafen. Aber eine Runde Schnick-Schnack-Schnuck entscheidet, dass wir an diesem Abend doch das Partyzelt von gegenüber ausprobieren müssen…

Partyzelt funktioniert. Gut. So gut, dass wir uns um 10 Uhr morgens vor dem Zelt treffen und beschließen, als allererstes noch eine Runde zu schlafen.
Und die Runde war lang. Um 16 Uhr wird’s fast schon wieder Zeit für SUM 41. Also machen wir uns fertig, essen noch was und starten dann zu Main Stage. Rock sei momentan nicht so gefragt, sagen viele. Kiddie-Punk-Rock à la Green Day gehe schon lange nicht mehr, sagen die meisten. Dafür ist’s bei SUM41 extrem voll. Überall. Vorne, hinten, an den Seiten. Das Publikum singt und gröhlt mit, egal, ob bei langsamen oder schnellen Songs. Die Band geht aber auch ab, alle wuseln über die Bühne und scheinen wirklich Spaß zu haben. Sänger Deryck hat’s auch bei den ruhigen Songs gesanglich wirklich drauf, es ist echt schön. Davon könnte Rihanna sich mal eine Scheibe abschneiden.
Nach den Kanadiern ist dann auch schon wieder Party-Zeit. Heute im Angebot: Cheer Pom Poms Party. Jeder, der mag, bekommt eine Tüte in die Hand gedrückt, bestückt mit 2 wuseligen PomPoms. Countdown, alle PomPoms hoch und Gewusel. Ungefähr so spektakulär wie die FlagParty. Aber immerhin hat man jetzt zwei coole PomPoms. Das kann schließlich nicht jeder von sich behaupten!
Für den nächsten Act, Tinie Tempah, setzten wir uns wieder hinten unter die Bäume, denn auch der Birtische Rapper performt auf der Main Stage. Durch die Mischung aus Rap und viel Eletronik ist die Musik extrem tanzbar und das merkt man auch um einen herum. Sogar im Sitzen kann niemand ruhighalten und muss mindestens mit dem Kopf nicken oder dem Fuß wippen. Außer denen, die schlafen. Ob die wohl auch letzte Nacht im Partyzelt waren…? Wir gucken auch nicht bis ganz zum Ende, denn um 20.30 Uhr fangen John Coffey an. Die Band aus Amsterdam rockt eine Stunde lang die Europe Stage. Wie fast immer und überall: Mega Stimmung, tanzen, mitsingen, Freude pur. Wir gucken uns die Band sogar so lange an, dass wir, oh mein Gott, ein Stück von David Guetta verpassen. Ist aber nicht weiter schlimm. Er tut das, was man von ihm gewohnt ist: Kopfhörer auf, auf die Play-Taste gedrückt und Arme in die Luft!!! Das Publikum scheint’s nicht zu stören, denn im Club würde man dazu schließlich auch tanzen. Und wenn man hier eins kann, dann… Ja, eben, dann ist es tanzen. Also halt auch zu der Musik, die eben nicht gerade vor einem handgemacht wird. (Erklärt wohl auch, warum das Partyzelt so gut funktioniert, öhöm…) Da sich unsere eine Hälfte allerdings vermutlich regenbedingt wenige Tage vorher schon eine kleine Erkältung eingefangen hat und die Symptome nun extrem zum Vorschein kommen, machen wir uns noch während Monsieur Guetta auflegt mal auf den Weg zur Apotheke, aus Angst, dass es ansonsten eine wirklich gänzlich schlaflose Nacht wird. An der Apotheke ist auch nicht wenig los, es scheint mehr als eine erkältete Person auf der Insel zu geben. Dort klappt alles problemlos, die Symptome werden verstanden, man bekommt erklärt, was einem an Auswahlmöglichkeiten bleibt und für ein wenig Schnupfen und Husten reichen die Kentnisse der Verkäuferin auf jeden Fall aus. Danach geht’s langsam zum Zelt, Kranki möchte schlafen.

Der nächste Morgen. Ein Montag. Damdamdamdam. Da es dem kranken Teil definitiv nicht so bombig geht, wird erstmal bis um 14 Uhr eine Runde Pressearbeit eingelegt. Muss ja eh erledigt werden. Das Wetter ist gut, warm, in der Sonne sogar ziemlich, aber im Schatten kann man es schon aushalten. Wenn man denn nichts tut. Oder zumindest nicht viel. Wir gucken hier. Wir schauen da. Und entscheiden uns dann für Langos (ein ungarisches Teigstück, ausgebacken in Fett, bestrichen mit Knoblauch und Sour Cream, getoppt von geriebenem Käse. Zumindest in unserem Fall.) und Zirkus um 16 Uhr. Die zwei Kanadier spielen ein wenig mit Feuer, fahren, zugegeben, schon spektakulär Fahrrad, alles in allem können wir aber nur wenig lachen und überlegen mittendrin immer mal wieder, einfach zu gehen. Doch wir halten bis zum Ende durch. Was sich allerdings im Nachhinein betrachtet für uns nicht gelohnt hat.
Darum freuen wir uns schon ziemlich, wieder an der Main Stage zu sein. Dort gibt’s noch ein bisschen Years & Years. Wir szigetfestival2016-7413bleiben auch direkt an der Hauptbühne, heute generell sogar noch etwas längr als sonst. Denn nach Years & Years dösen wir ein wenig, während die Kaiser Chiefs einen Schong nach dem anderen spielen. Denn wir brauchen ja genug Energie für die anschließende Confetti-Party!!! Es gibt zum einen Umschläge mit Konfetti drin oder aber auch Scheiben, die man einmal außenrum öffnen und dann in die Luft schmeißen muss. Letztes ist uns Neu und wir sind gespannt, ob es so viel Spaß bringt, wie wir denken. Das Prozedere ist bekannt: Countdown 10 Minuten, alle zählen am Ende runter und das Konfetti darf geworfen werden, um auf die Köpfe aller Umstehenden runterzurieseln. Das Schönste daran: Auch bekannt. Wunderbar viele kunterbunte Farben!!! Im Gegensaz zum staubfarben gemischten Farbstaub von Samstag sieht in diesem Fall der Platz vor der Bühne sogar ganz schön aus, wenn die meisten der Menschen weg sind, da sich das ganze Konfetti wie ein Teppich nicht nur über die Menschen, sondern auch über den Boden gelegt hat.
Jetzt warten wir auf SIA. Den ganzen Tag über begegneten einem schon Menschen mit komischen Haaren. Bobfrisur, eine Hälfte weiß, die andere schwarz. Die freuen sich alle wohl schon ganz besonders auf die Australische Ausnahmepopkünstlerin mit ihren abgefahrenen, manchmal seltsamen Videos. Diese gibt es leider aber auch irgendwie während der Show dauernd. Bei gefühlt jedem zweiten Song wird auf jeder Leinwand keine Übertragung der Bühne gezeigt, sondern ein Video. Da kann man jetzt zwiegespalten drüber denken: Einerseits ist es schade, einen Künster auf der Bühne zu sehen und dann wieder doch nicht, weil man nur Videos sieht. Andererseits macht sie eine Sache ganz sicher richtig, die Rihanna nicht hinbekommen hat: SIA konzentriert sich auf die Musik. Sie macht keine große Show und tanzt soviel herum, dass sie nach zwei Songs außer Atem ist. Und ja, sie singt gut. Sie singt wirklich, wirklich gut! Der Auftritt dauert bis 23 Uhr. Danach noch ein wenig den Freefall-Tower betrachten und dann langsam Richtung Schlafsack.

Der letzte komplette offizielle Tag beginnt anscheinend für viele nicht so schön: Die ganze Nacht war Husten, prusten und Nase putzen um unsere Zelte herum zu hören. Es scheint nun zum guten Ton zu gehören, mindestens ein kleines Hüsterchen oder eine ein wenig laufende Nase zu haben. Darum wird der Tag entspannt angegangen: Frühstück. Dann um kurz vor 12 ins Afro-Latin-Reggae Village. Dort gab es jeden Morgen einen Capoeira-Workshop, den wir uns eigentlich die ganze Zeit schon anschauen wollten. Aber Zeit war ja bekanntlich Mangelware in dieser letzten Woche. Die eine Hälfte der Jungs, die dort ihr Können beweisen, scheint diese Mischung aus Kampfsport und Tanz schon ihr ganzes Leben zu machen. Die andere Hälfte zumindest wohl schon die ganze Woche. Cool schaut’s trotzdem aus. Wir überlegen, wie wir uns dabei wohl anstellen würde. Die Gedanken werden schnell wieder verbannt. Am letzten Tag eines solchen Festivals sollte schließlich keine schlechte Laune aufkommen… Eigentlich wollen wir danach weiter. Doch direkt im Anschluss gibt es African Drum- And Dance Lessons. Im Kreis sitzen die Teilnehmer jeweils mit einer Afrikanischen Trommel zwischen den Beinen. Auch hier scheint der Ein oder Andere schon in den vorrausgegangenen Tagen das ein oder andere Mal beim Schlagen auf die gespannten Felle beziehungsweise Häute der Djembé, wie die Trommeln eigentlich heißen, mitgemacht zu haben. Wir lassen uns von dem basslastigen Getrommel einlullen, bis wir genug haben.
Am frühen Nachmittag machen wir uns auf zur Europe Stage, wo wir uns einen uns bis dahin unbekannten Rapper aus Italien angucken. Salmo macht zusammen mit den Musiker um ihn herum eine Kombination aus Rap (logisch) mit Rockelementen. Das Ganze auf Italienisch. Ungewohnt, neu, wie so Vieles hier. Aber gut, wie auch so Vieles hier. Gab’s da nicht so eine Liste, die man schon zu Beginn angefangen hat zu machen…? Leider können wir nicht bis zum Ende gucken, denn schon lange vorher haben wir uns darauf gefreut und wollen keine Sekunde verpassen: Auf zu Parkway Drive!!! parkwaydrive-szigetfestival2016-7468 parkwaydrive-szigetfestival2016-7477
Dafür geht’s also zur Hauptbühne. Es ist nicht so voll wie man es bei anderen Acts schon gesehen hat, aber voller als wir bei den Australiern erwartet hätten. Gleich vom ersten Augenblick an ist man glücklich. Anders geht’s auch nicht: Die Jungs sind wie immer gut drauf, feiern das Publikum, das Leben, grinsen, spaßen und machen dabei noch hammermäßige Musik. Sie wissen, wie man Leute bei einem Auftritt glücklich macht. Einziger Abzug in der Punktevergabe: Die Setlist war exakt die gleiche wie bei den letzten Auftritten auch in parkwaydrive-szigetfestival2016-7488Deutschland, ebenso die Pyrotechnik, die eigentlich echt gut ist. Jedoch halt auch ein wenig langweilig dann, wenn man die Band dieses Jahr schon gesehen hat…
Parkway Drive sind fertig; was nun? Hm, wir entscheiden uns für die Europe Stage und eine Deutsche Band namens Die Nerven, „Post-Punk/Noise-Rock“ laut Sziget-App. Klingt ja nicht schlecht. Dachten wir uns. Klingt leider doch schlecht. In unseren Ohren zumindest. Es ist okay, solange man nur die Instrumente hört. Der Gesang… Nun ja, äh, nein danke. Wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die das so sehen. Von Anfang an ist es nicht wirklich voll. Aber nach und nach wird es leider noch leerer. Die Texte sind einfach gehalten. Akuter Fall von „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Wir können damit leider nicht viel anfangen. Aber die Jungs sind ja noch jung, kann also nur besser werden. Wir machen uns aber nach kurzer Zeit auf den Weg zu OTP Bank – A38 Stage auf. Da spielen Fidlar, eine US-Amerikanische Punkband. Wie bei SUM41 zeigen diese Herren, dass Punk doch noch eine Chance zum Überleben hat. Ganz tot ist Punk auf jeden Fall noch lange nicht! Von kurz vor 8 haben wir dann aber noch mehr als 1 1/2 Stunden, bis wir uns die Endshow mit Hardwell angucken wollen. Das gibt uns Zeit, nochmal zum Zelt zurückzugehen und schon mal alles zu packen, was gepackt werden muss und nicht mehr gebraucht wird, da wir uns am nächsten Tag schon vormittags auf den Heimweg machen wollen. Nachdem alles für Mittwoch verstaut ist, geht’s zurück zur Hauptbühne. Handwell als Endshow-Act auf der Hauptbühne passt perfekt zum diesjährigen Sziget: Elektronische Musik hat hier bis zum Schluss einfach die Oberhand behalten. Selbst Leute, die schon mehrere Jahre dieses Festival besucht haben, haben bestätigt, dass es in keinem Jahr so viel Elektronische Musik gegeben hat wie dieses Jahr. Aber, haha, wir hören nicht mit Elektro auf. Nach etwa einer halben Stunde Hardwell begeben wir uns auf den Weg zu einem letzten Bühnenwechsel: Auf zur OTP Bank – A 38. Wir beide werden das Festival mit Bullet For My Valentine beenden. Es ist bei uns beiden schon was länger her, dass wir die Band zum ersten Mal live gesehen haben. Doch sie sind noch immer (andere würden sagen: jetzt wieder, wieder andere: endlich mal) ziemlich gut. Sie spielen eine angenehme Mischung aus wirklich alten Sachen, die zum Teil ja nun doch schon über 10 Jahre alt sind (Leute, wie die Zeit vergeht…) und ganz Neuem. Und natürlich auch was von dem Zeug, dasss irgendwo dazwischenliegt. Genau zu „Tears Don’t Fall“, dass eigentlich jeder kennt, der schon mal was von Bullet gehört hat, plötzlich lautes Knallen. Hardwell ist gerade beim letzten Song und an der Main Stage gibt’s ein gigantisches Feuerwerk. Ein bisschen schade, dass man’s nur eingeschränkt sehen kann. Dafür haben wir uns halt eben für die bessere Musik entschieden.
Nach Bullet geht’s dann langsam zurück zum Zelt. Einige drehen die letzte Nacht nochmal so richtig auf. Wir legen uns schlafen. Morgen geht’s nach Hause, 14 Stunden auf der Straße unterwegs… Da träumen wir lieber schon mal so schnell wie möglich vom nächsten Jahr.